BA-Studium Germanistik 2016 – Was wird sich ändern?

ba germanistik 2016

Am 13. Mai 2016 wurden für das BA- und das MA-Studium Germanistik neue Studienpläne veröffentlicht, die ab 1. Oktober in Kraft treten. Im Folgenden möchten wir die Bestandteile des neuen BA im Überblick vorstellen und dabei die Änderungen gegenüber dem bestehenden Curriculum hervorheben. Achtung: Hierbei handelt es sich um das Fachstudium Germanistik und NICHT ums Lehramt!

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0) Warum ein neuer Studienplan?

Als Einleitung kurz zum Grund für die Umstellung: Es gibt inzwischen ein sogenanntes „Rahmencurriculum“, das gewährleisten soll, dass alle Studiengänge an der Uni Salzburg einheitlich aufgebaut und dadurch miteinander vergleichbar sind. Problematisch waren bisher u. a. die vielen nicht genau geregelten Kurstypen, deren Zusammensetzung sich in verschiedenen Studien oder gar auch innerhalb eines Fachbereichs stark unterschied. Ein Paradebeispiel dafür war an der Germanistik die „VU“, die statt der angestrebten (und wohl generell schwierig realisierbaren) 1,5 h Vorlesung und 0,5 h Übung pro Einheit oft eher reinem Frontalunterricht mit Anwesenheitspflicht gleichkam. Genauere Infos zu den Hintergründen dieser allgemeinen Aktualisierung hat Maximilian Wagner von den StVen Anglistik und Geographie hier zusammengefasst.

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1) Die STEOP

Die Studieneingangs- und Orientierungsphase, kurz STEOP, muss laut den Vorgaben des neuen Rahmencurriculums mindestens 8 ECTS umfassen. Genau diese Anzahl, also das geringstmögliche Ausmaß an Workload, gilt nun auch für den BA Germanistik. Somit besteht die STEOP aus folgenden drei Fächern, die jedes Semester angeboten werden:

  • VO Orientierungsvorlesung Germanistik (2 ECTS)
  • PS Einführung in die Literaturwissenschaft (3 ECTS)
  • PS Einführung in die Germanistische Sprachwissenschaft (3 ECTS)

Generell soll diese Phase keinesfalls mit nur unter größtem Arbeitsaufwand zu bestehenden Knock-out-Prüfungen enden, sondern einen informativen Überblick über die germanistischen Teiligebiete präsentieren. Ihr Ziel besteht vor allem darin, dass Studierende durch die Konfrontation mit unterschiedlichsten Aspekten selbst erkennen, ob das von ihnen gewählte Studienfach auch tatsächlich ihren Vorstellungen entspricht, und sich gleichzeitig mit universitären Arbeitsmethoden vertraut machen.
Außerdem wurden die Voraussetzungen für den Besuch von auf diesem Block aufbauenden Kursen gelockert. Im neuen BA-Studium ist es möglich, auch ohne vollständig bestandene STEOP bereits 22 ECTS an für später vorgesehene Lehrveranstaltungen zu absolvieren, was v. a. für weitere Einführungs-LVen vorgesehen ist. Somit kommt es auch nicht zu dem Problem, aufgrund eines noch nicht mit Prüfungszeugnis abgeschlossenen STEOP-Teils keine weiteren Klausuren prüfungsimmanenter Kurse ablegen zu können.

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2) Pflichtfächer

Bei den Pflichtfächern wurden die einzelnen Lehrveranstaltungen in übersichtlichere Module gegliedert, die gleichzeitig besser ersichtlich machen, für welchen Abschnitt des Bachelorstudiums (Einführung, Grund-, Aufbau-, Vertiefungs- und Spezialisierungsmodul) sie vorgesehen sind. Die im alten Curriculum verankerten VUs „Lesen als Kulturtechnik“ und „Sprachnormkompeten“, die schon seit Frühling 2012 bzw. Herbst 2014 nicht mehr angeboten werden und bisher durch LVen mit gleichwertiger ECTS-Zahl ersetzt werden mussten, wurden nun endlich aus dem Eingangsmodul entfernt. Inhaltlich hat sich bei den Kursen ansonsten wenig geändert, auch wenn die „Textanalyse“ nun „Analyse literarischer Texte“ und „Mittelhochdeutsch“ ab dem Wintersemester „Historische Grammatik des Deutschen“ heißt. Dass die ehemaligen Einführungs-UEs in PS umbenannt wurden, ändert nichts an ihrer bisherigen Beurteilung durch eine Abschlussklausur (sowie ggf. Zwischentest, Hausübungen und Mitarbeit in unterschiedlichem Ausmaß) und führt nicht etwa dazu, dass plötzlich, wie in thematischen Proseminaren, auch einschlägige Arbeiten zu schreiben wären.
Nachdem – wie später erwähnt – den Wahlpflichtfächern und Freien Wahlfächern jetzt weniger ECTS zukommen, erhalten die Pflichtfächer um insgesamt 14 ECTS mehr. Diese wurden vor allem dazu verwendet, um das Ungleichgewicht zwischen der bisher stärker vertretenen Neueren deutschen Literatur und den beiden anderen Teilfächern Ältere deutsche Literatur und Germanistische Sprachwissenschaft innerhalb des Aufbau- und Vertiefungsmoduls weitgehend zu eliminieren

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3) Wahlpflichtfächer

Hierbei bestehen die Veränderungen einerseits darin, dass nun 24 ECTS statt wie bisher 28 zu absolvieren sind. Daneben wurden die bis dato existenten Einschränkungen in Form der drei Praxisfelder aufgehoben: Nr. 1 war aufgrund des nicht mehr gegebenen Angebots der UEs „Schreib-“ und „Sprechtraining“ ohnehin nicht mehr vollständig belegbar geworden, während mit Nr. 2 der Bereich „Deutsch als Fremd-/Zweitsprache“ verpflichtend war, was natürlich nicht dem Interessensgebiet jedes/r Studierenden entspricht. Zudem gab es immer wieder Unklarheiten bezüglich der oftmaligen Absolvierung mehrerer LVen aus demselben Gebiet eines Praxisfeldes, die gesetzlich eigentlich nicht gestattet war. All diese Probleme gehörten nun der Vergangenheit an, nachdem das Wahlmodul schlichtweg den Titel „Deutsche Sprache und Literatur in Theorie und Praxis“ trägt, sodass in dessen Rahmen im Grunde beliebige LVen an der Germanistik besucht werden können.
Die 24 ECTS entsprechen auch dem Ausmaß des DaF-/DaZ-Moduls, das im neuen Bachelorstudium auch als vollständiger Ersatz für das Wahlmodul anerkannt werden kann.
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4) Freie Wahlfächer

Die freien Wahlfächer wurden von 46 ECTS auf 36 ECTS gekürzt, was allerdings immer noch dem vom Rahmencurriculum erlaubten Höchstmaß entspricht. Außerdem gibt es nun auch die rechtliche Zusicherung, dass es sich dabei wirklich um „freie“ Lehrveranstaltungen handelt, d. h. man kann frei aus dem sehr großen Angebot an LVen „aller anerkannten postsekundären Bildungseinrichtungen“ wählen. Das kommt einem sowohl zugute, wenn man etwa bereits früher Kurse an einer anderen Uni absolviert hat, als auch, wenn man sich auch für LVen anderer Fachbereiche interessiert. Die bisherige (zumindest auf dem Papier existierende) Bestimmung, dass nur Kurse an der Germanistik oder zumindest der KGW-Fakultät zu besuchen sind und die Absolvierung anderweitiger LVen erst durch den CuKo-Vorsitz bewilligt werden muss, sorgte unter Studierenden immer wieder für Verunsicherung.
Es ist nun auch möglich, sich eine berufsorientierte Praxis (maximal 4 Wochen bei Vollbeschäftigung, das entspricht dann 6 ECTS) anrechnen zu lassen.
Nach wie vor können thematisch gebündelte Fächer im BA-Zeugnis im Rahmen der Freien Wahlfächer als „Studienergänzung“ (24 ECTS) bzw. „Studienschwerpunkt“ (36 ECTS) ausgewiesen werden. Dabei dürften für GermanistInnen besonders die Themenfelder „Kunstpolemik – Polemikkunst“ sowie „Interdisziplinäre Studien zu Mittelalter und Frühneuzeit“ interessant sein (siehe Nützliche Links).
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5) BA-Abschluss und Zusammenfassung der Module

Um einen Abschluss zu erwerben, muss man im neuen BA-Studium Germanistik nach dem Schreiben von zwei Bachelorarbeiten auch eine Bachelorprüfung ablegen. Das ist neu und war leider nicht zu verhindern, nachdem auch diese Bestimmung im Rahmencurriculum vorgesehen ist. Sie umfasst 6 ECTS und wird im Prüfungsfach Neuere deutsche Literatur mündlich absolviert, in den beiden Prüfungsfächern Ältere deutsche Sprache und Literatur und Germanistische Sprachwissenschaft schriftlich. Geprüft soll dabei allerdings ohnehin nur das werden, womit man sich durch die Einführungskurse des bisherigen Studiums bereits vertraut machen konnte, nachdem die später besuchten thematischen PS naturgemäß variieren. Das Aufbewahren der Unterlagen auch aus der Anfangszeit ist also sehr ratsam!

Hier noch mal der Überblick über die einzelnen Module:
Screenshot 2016-07-24 19.57.366) Übergangsfristen

Studierende, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Curriculums am 1. Oktober 2016 noch für jenes von 2013 inskribiert sind, haben bis 30. September 2020 Zeit, ihr Studium nach dem „alten“ Curriculum abzuschließen. Erst dann müssen sie zwangsläufig auf das neue umstellen. Daher also Entwarnung für alle, die sich in Gedanken bereits beim ungewollten Vergleichen ellenlanger Äquivalenzlisten sahen: Ein sofortiger Wechsel ist unter keinen Umständen notwendig, und es werden auch niemandem urplötzlich neue Richtlinien aufgezwungen. (Wobei die Unterschiede zwischen den Pflichtfächern außerdem ohnehin sehr gering sind.)

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7) Wer sollte wechseln, und wann? 

Ein Wechsel ins neue Curriculum ist für diejenigen sinnvoll, die erst im Sommersemester 2016 mit dem BA-Studium begonnen haben und bei denen absehbar ist, dass sie bis zum Ende der Übergangsfrist nicht damit fertig werden. Der Wechsel drängt ohnehin noch nicht, da sich bezüglich des LV-Angebots generell nicht viel geändert hat und man auch Kurse aus dem „neuen“ Studienplan wählen kann, ohne diesen selbst zu besuchen (also z. B. die UE „Historische Grammatik des Deutschen“, die äquivalent zur bisherigen UE „Mittelhochdeutsch“ ist, auch wenn im Curriculum 2013 noch der alte Titel steht.) Wichtig ist dabei nur, dass man den neuen Studienplan als Schablone für die auszuwählenden Kurse anwendet, um nicht etwa zu viele ECTS für die Freien Wahlfächer zu sammeln, während man diese Zeit auch in den Besuch von mehr Pflichtfächern investieren könnte.
Der Wechsel selbst bietet sich dann z. B. über die Sommerferien 2017 an, nachdem man in der lehrveranstaltungsfreien Zeit auch sämtliche  administrativen Pflichten wie etwa Kursanerkennungen möglichst stressfrei erledigen kann.

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Den gesamten Studienplan für BA Germanistik 2016 sowie sämtliche nützlichen, von der StV zusammengestellten Materialien dazu gibt’s auf der Seite „Infos zum Studium“.

Autorin: Claudia M. Kraml, stv. studentisches Mitglied der CuKo Germanistik

Veröffentlicht von

Claudia Maria Kraml

Studium MA Germanistik und MA Sprachwissenschaft an der Universität Salzburg, nebenbei auch tätig als: Studienassistentin am Fachbereich Germanistik (Teilfächer Ältere deutsche Literatur und Linguistik), Mitglied der StV Germanistik, Lesungs- und Theaterkritikenverfasserin bei drehpunktkultur. Schreibt auch hobbymäßig über alles Mögliche, das man gelegentlich an gut versteckten Orten lesen kann. Besondere Vorliebe für die Schriften längst vergangener Zeiten, Lautwandelprozeduren mitsamt ihrer gegenwärtigen Relikte sowie Irrelevanzkonditionalsätze.

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